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ILebenslanges Lernen ist heute die Norm

Ein Blick auf die Gesellschaft der Zukunft zeigt, dass alles von Bildung abhängt. Bildung formt die Köpfe, und diese Köpfe gestalten unsere Zukunft. Die Herausforderungen, denen sich unsere Gesellschaft gegenübersieht – wirtschaftliche Stabilität, Fortschritt in der Gesundheitsversorgung, Klimawandel – werden von gut ausgebildeten Mitgliedern der modernen Wissensgesellschaft gemeistert werden.

© Gabriela Del Valle

Gleichzeitig befindet sich die Vorstellung von dem, was Lernen ist, im Wandel. In früheren Zeiten spiegelten Erziehung und Bildung die Werte der Gesellschaft wieder: Gehorsam, Respekt vor Autoritäten, Disziplin, Passivität. Das Erziehungsdenken des 20. Jahrhunderts setzte vor allem auf Effektivität und Anpassungsfähigkeit, kurz: die erforderlichen Eigenschaften für Unternehmenswelten, in denen Posten auf Lebenszeit vergeben wurden. Dies spiegelte sich auch in der Einrichtung wieder: kühl, spröde, aseptisch und meist nicht sehr bequem – Arbeits- und Lernwelten, in denen der menschliche Faktor kaum eine Rolle spielte.

L'Oréal Academy © Yurii Palmin

Doch die Art, wie wir arbeiten, hat sich dramatisch gewandelt, und wird sich in den nächsten Jahrzehnten weiter wandeln! Statt um Konformität geht es heute um Flexibilität. An die Stelle von passiven Festangestellten sind unabhängig und unternehmerisch denkende Persönlichkeiten getreten, die ihren eigenen Weg gehen. Jüngere Generationen stellen den Wert von Unterordnung und Gehorsam in Frage und finden neue Wege individueller und gesellschaftlicher Kreativität.

Openbare Bibliotheek, Amsterdam © Photo Rob Hoekstra

Zum Teil war es der technologische Fortschritt, er diese Entwicklungen möglich gemacht hat. Der Trend zum Einsatz moderner Roboter und die umwälzende Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz werden die Arbeitswelt weiter verändern. In Datenverarbeitung und Herstellung wird verstärkt Automation Einzug halten. Diese Veränderungen erfordern den ununterbrochenen Erwerb neuer Fähigkeiten. Um mit dem technologischen Wandel Schritt halten zu können, müssen Zeit, Geld und Ressourcen in menschliche Lernprozesse investiert werden.

Georgetown University School of Continuing Study © Bruce Damonte

Dieser technologiegetriebene Wandlungsprozess – und alle Prozesse, die darauf folgen werden – bedeutet vor allem anderen auch, dass der Arbeitsplatz der Zukunft Flexibilität besitzen muss. Lernen wird nicht mehr mit dem Examen abgeschlossen sein, es wird zu einer konstanten Herausforderung für alle, die wirtschaftlich und gesellschaftlich produktiv sein wollen. Der Erwerb neuer Kenntnisse und Fähigkeiten wird zu einem kontinuierlichen Prozess werden, besonders für all jene, die in der Mitte ihres Berufslebens stehen, bisher mit einem festen Bestand an Fähigkeiten gearbeitet haben und nun Tätigkeitsfelder für sich erobern, für die sie zusätzlich geschult werden müssen.

Eine Dynamik, die neue Karrierechancen bietet, dem Einzelnen ermöglicht, Erfahrungen auf verschiedenen Berufsfeldern zu sammeln, zu wachsen und mehr Erfüllung in seiner Arbeit zu finden. Der Beginn eines Zeitalters, in dem Ausbildung nicht nur Voraussetzung, sondern unverzichtbarer Inhalt des Berufslebens sein wird.

„Lebenslanges Lernen muss zur Norm werden. Die meisten Menschen, die höhere Bildung und postuniversitäre Weiterbildung in Anspruch nehmen sind 35, 45 oder 55 Jahre alt.“
James Manyika, Vorsitzender und Direktor des The McKinsey Global Institute.

IIDer Mensch bestimmt die Zukunft, nicht die Technik

Je stärker technologische Entwicklungen unser Lernen und Arbeiten bestimmen, desto drängender stellen sich uns essentielle Fragen: Was macht uns aus? Was unterscheidet Mensch und Maschine? Wenn so viele Aufgabenfelder der Automation anheimfallen – wozu werden wir dann noch gebraucht? Je weiter Automation und KI fortschreiten, desto größer wird das Bedürfnis werden, die Dinge (wieder-) zu entdecken, zu denen keine Technologie in der Lage ist, die Dinge, die uns zu Menschen machen, die in menschlichen Zusammenhängen leben: die Dimensionen der Kunst, des Emotionalen, des Handwerklichen – Fürsorge, Gemeinschaft, Empathie.

© Gabriela Del Valle

Für die Welt des Lernens bedeutet dies, dass zwischenmenschliche Kompetenzen, Soft Skills, eine nicht weniger wichtige Rolle spielen werden wie der Erwerb technologischen Wissen und analytischer Fähigkeiten. Der Interessenverband The Partnership for 21st Century Learning (P21) bringt Bildungseinrichtungen, Verwaltung, Wirtschaft und Politik zusammen, um herauszufinden, welche Fähigkeiten für Lernende in einer sich wandelnden Wissenswelt von heute an erster Stelle stehen. Dabei haben sich vier Kernkompetenzen herauskristallisiert: Kreativität, kritisches Denken, Kommunikations- und Teamfähigkeit.

University of Paris–Sorbonne © Photo courtesy of 11h45

Wir verstehen Kreativität als die Fähigkeit, Information in neuen Bahnen zu denken, neue Verbindungen herzustellen und innovative Problemlösungen zu finden. Kritisches Denken heißt für uns, das Gegebene neu zu befragen und umfassend zu analysieren. Kommunikation bedeutet, etwas so gut zu verstehen, dass man es mit anderen teilen und mit der Welt um uns herum in Interaktion treten kann. Teamwork und Interaktion wecken das Genie einer Gruppe, die mehr ist als die Summe ihrer Teile.

Unsere Welt wird auch in Zukunft immer globaler und vernetzter werden. Die Jugend von heute wird mit Studenten aus der ganzen Welt zusammenarbeiten, und diese Welt wird immer kleiner werden. Die Fähigkeit, uns als Menschen in diesen Prozess einzubringen, nach Wissen zu streben, auf uns selbst zu vertrauen, die Initiative zu ergreifender und der Welt mit Neugier und Empathie zu begegnen, wird über den Erfolg unserer Arbeit und Zusammenarbeit entscheiden. Der Schlüssel zur globalen Zukunft liegt nicht in unseren technologischen Fähigkeiten, er liegt in der Kraft unseres Menschseins. Und alles beginnt mit Bildung.

Trommen Cultural Center. Hørsholm, Danimarca © Photo courtesy of NIELS NYGAARD Fotografi

„Als soziale Wesen werden wir schließlich auch den Wert sozialer Interaktion mit anderen Menschen immer stärker wertzuschätzen lernen. Die entscheidenden menschlichen Eigenschaften werden unsere soziale und emotionale Intelligenz und unsere künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten sein. Die Ironie der Geschichte liegt darin, dass es in der Zukunft nicht um Technologie, sondern um Menschlichkeit gehen wird.“ – Toby Walsh, Professor für Künstliche Intelligenz an der University of New South Wales, Sydney.

IIIWie wird die Universität der Zukunft aussehen?

Je komplexer die Welt wird, desto kreativer müssen wir werden, wenn wir ihren Herausforderungen begegnen wollen – sei es am Arbeitsplatz oder in der Welt des Lernens. Wir müssen Räume schaffen, die das kreative Denken fördern und inspirieren und zugleich die Bedingungen der Arbeitswelt von heute und von morgen widerspiegeln.

© Gabriela Del Valle

Kreativität ist zu einem zentralen Indikator von Erfolg geworden. Immer öfter verabschieden sich Spitzenkräfte aus traditionellen Vollzeitarbeitsverhältnissen und kreieren ihre eigenen Arbeitskontexte. Konventionelle Strukturformen der Arbeit verschwinden, eine junge kreative

City of Westminster College. Londra, Regno Unito © Photo Rebecca Wilson

Generation hat andere Erwartungen an ihr Arbeitsumfeld. Heute zählt:
- Leben und arbeiten wo immer du willst
- Reisen wohin und so lange du willst
- Neue Arbeitsfelder erschließen, die den eigenen Interessen und Fähigkeiten entsprechen
- Potenziale aufbauen, die nicht in Gehaltsstufen gemessen werden
- Mit Gleichgesinnten weltweit zusammenarbeiten
- Dinge, die man nicht so gerne tut, delegieren können
- Selbst über Arbeitsort und Arbeitszeit entscheiden

Fox HQ. Irvine, Stati Uniti © Photo Benny Chan | Fotoworks

Diese Anforderungen zeigen, welches Niveau Kreativität im heutigen Arbeitsleben erreicht hat. Moderne Technologie gewährt uns mehr Freiheit zu entscheiden, wo und wie arbeiten wollen, mehr Mobilität und globale Handlungsperspektiven. Von den Orten, an denen wir lernen und arbeiten, wird heute erwartet, dass sie unserer Art zu leben entsprechen.

Entworfen von Diller Scofidio + Renfro in Zusammenarbeit mit dem Büro Gensler als ausführenden Architekten stellt das Vagelos Education Center des Fachbereichs Medizin an der Columbia University Medical Center in New York den Prototyp der dynamischen Lernwelten von morgen dar. Der 14-stöckige gläserne Turm beherbergt kollaborative Arbeitsbereiche, mit modernster Technologie ausgestattete Unterrichtsräume und ein hochmodernes Simulationszentrum. Architektonischer Brennpunkt des futuristischen Gebäudes ist die Study Cascade, ein ununterbrochener, über mehrere Stockwerke reichende Raum, der ein durchlässiges Ambiente zur gemeinsamen Arbeit schafft, in dem sich die Lernenden frei bewegen und den Arbeitsort finden können, der am besten zu ihren Bedürfnissen passt.

Roy and Diana Vagelos Education Center. New York, Stati Uniti © Photo Iwan Baan and Nic Lehoux

Moderne Architekturen wie das Vagelos Education Center zeigen, wie wichtig Räume sind, die Bewegungsfreiheit und zugleich Orte zur gemeinsamen Arbeit bieten. Das Vagelos Education Center bietet Raum für verschiedene Lernstile, der den Erwartungen junger Menschen gerecht werden. Nach dem Vorbild des Vagelos Education Center werden Lernorte von morgen nicht nur Raum zum Lernen bieten, sie werden Inspirationsorte der Kreativität sein müssen.

„Hier ging es nicht darum, wie bei traditionellen Universitätsgebäuden die Raumnutzung zu optimieren, sondern das Gefühl echten Wohlbefindens zu vermitteln.“
Diller Scofidio + Renfro

IVWir brauchen Räume mit emotionaler Qualität

Nirgends spielt die emotionale Qualität der Raumgestaltung eine so zentrale Rolle wie in der Welt des Lernens. Das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit kann Lernende bestärken und ihre Bereitschaft steigern, sich intellektuellen Herausforderungen zu stellen. Eine spielerische Anmutung kann kreatives Denken fördern, Farbe einem Raum unterschiedliche Stimmungen verleihen.

© Gabriela Del Valle

Emotion fördert den Lernerfolg. Das Verhältnis zwischen räumlicher Umgebung und Lernerfolg wurde immer wieder untersucht, und das Ergebnis ist eindeutig: Raumgestaltung hat einen positiven Effekt auf das erzielte Lernergebnis. Unterrichtsräume, die sowohl auf kognitiver wie auf sensorischer Ebene stimulierende Impulse bieten, wirken sich positiv auf die Speicherung des Gelernten im Gedächtnis aus. Einige Studien legen sogar nahe, dass die ästhetische Erfahrung des Unterrichtsraums mehr Einfluss auf den Lernerfolg hat als die Architektur des Unterrichtsgebäudes.

Landås Skole. Bergen © Photo courtesy of Steen Fotografi

So wie positive Emotionen, etwa das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, Glück oder Inspiration sich positiv auf den Lernprozess auswirken, können emotionale Störfaktoren wie Verwirrung, Langeweile oder Frustration es behindern. Störende Gefühle bewirken eine Hyperaktivität der Amygdala im Gehirn, die sich auf die Merkfähigkeit auswirkt und es erschwert, den gerade behandelten Unterrichtsinhalt abzuspeichern. Auch andere Umweltfaktoren wie schlechte Belüftung oder Beleuchtung oder akustische Faktoren können dazu führen, dass Schüler Informationen missverstehen oder ganz „abschalten“, was wiederum den Lernerfolg beeinträchtigt.

Mariale Hardiman, ehemalige Lehrerin und nun stellvertretende Dekanin im Bereich Urban Schools Partnership an der Johns Hopkins University’s School of Education ist überzeugt, dass Lernerfolg ohne Emotionalität nicht denkbar ist. „Stressreduktion und die Schaffung eines positiven emotionalen Klimas im Unterrichtsraum ist wahrscheinlich das wichtigste Element für guten Unterricht.“

Avasara Academy Pune, India © Photo courtesy of Ariel Huber

Das Schulgebäude der Avasara Academy School in dem indischen Dorf Lavale, entworfen von Case Design in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Malene Bach, nimmt sich diesen Rat zu Herzen. Vor Ort vorhandene Ressourcen werden genutzt, um in der Mädchenschule eine entspannte Lernatmosphäre zu schaffen. Ein Passivkühlsystem, das mit einer Untergrundbelüftung arbeitet, gewährleistet angenehme Temperaturen ohne den Einsatz elektrischer Klimatechnik, und dies sogar in der Hitze des indischen Sommers. Lamellensysteme aus Bambusstangen spenden Schatten und Sichtschutz und verleihen der Fassade Struktur. Die Decken sind in verschiedenen Pastelltönen gestrichen und geben den Betonflächen Ausdruck und Lebendigkeit. Die verwendeten Materialien und Farben tragen zur Entstehung einer einladenden, entspannten Atmosphäre bei, in der junge Mädchen für die Zukunft lernen. Case Design kommentiert seine Farbauswahl so: „Um den Räumen ein menschliches Maß zu geben und ihnen den Geist eines lebendigen, guten Miteinanders einzuimpfen, haben wir auf die Wirkung von Farben gesetzt; ohne sie wäre die raue Struktur des Betons viel zu schwer gewesen.“

© Courtesy of Case Design

 

Aufmerksamkeit für die emotionalen Qualitäten eine Lernumgebung, wie sie hier bewiesen wurde, wird entscheidend dazu beitragen, dass junge Menschen in einer offenen, humanen Atmosphäre erfolgreich lernen können.

„Lernen ist eine ernsthafte Angelegenheit, aber das heißt nicht, dass man es mit Verbissenheit angehen muss!“

William Glasser

VVielfältiges Ambiente für neue Lernmodelle

In die Welt des Lernens hat Dynamik Einzug gehalten. Lehrer stehen heute längst nicht mehr nur am Pult oder an der Tafel. Ebenso wie moderne Arbeitsumgebungen flexibler geworden sind, so muss auch das Klassenzimmer von heute sich den verschiedenen Unterrichtsmethoden und Lernbedürfnissen anpassen können. Weniger Bestuhlung, mehr Flexibilität, mehr gemeinsam genutzter sozialer Lernraum.

© Gabriela Del Valle

Eine jüngst durchgeführte Studie der Mount Royal University im kanadischen Calgary zeigt den enormen Einfluss, den die Sitzform auf den Lernprozess hat. Werden Problemlösungen und Analysen in Gruppenkonstellationen erarbeitet, verinnerlichen die Schüler die Ergebnisse, statt sie nur für die Prüfung auswendig zu lernen. Ein höheres Maß an Interaktion fördert auch die Entwicklung sozialer Fähigkeiten und zwischenmenschlicher Dynamik. Auch Lehrer berichten, dass sie sich stärker in den Lernprozess einbezogen fühlen, wenn die Sitzformen sich am Lernen in der Gruppe orientieren; manche nehmen auch lieber bei ihren Schülern Platz, als beim Unterrichten zu stehen.

Hamilton Grange Teen Center New York Public Library © Michael Moran | OTTO

Studien wie diese bestätigen den Trend, der in modular veränderbaren Unterrichtsräumen ein entscheidendes Element zur Unterstützung des Lernprozesses erkennt. Das Konzept der „Active Learning Classrooms“ rückt die Lernenden in den Fokus. Der Klassenraum kann nach den Anforderungen des jeweilig Unterrichtenden verschiedenen Lernformen angepasst werden: offen strukturiert, um Raum zum Nachdenken zu geben; als Plenum für Vorträge innerhalb oder außerhalb des Gebäudes; als Sitzkreis für kleinere Lerngruppen; mit ruhigen konzentrationsfördernden Lernkojen zum selbstständigen Arbeiten. Eine Flexible Lernumgebung bereitet Schüler und Studenten auf die Arbeitswelten von morgen vor: anpassungsfähig und beweglich. Großräumig oder fokussiert. Ruhig und konzentriert oder offen und gruppenorientiert.

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