Eine Reise durch die Welt der Farbe

Introduction

Bei Arper ist Farbe mehr als nur eine Möglichkeit zur Oberflächengestaltung oder eine individuelle Designentscheidung. Im Kontext von Konzepten wie Intuition, Balance, Licht, Spiel und Familie hat sich das Thema Farbe zu einem unserer zentralen Werte entwickelt. Im Laufe der Jahre haben wir mit vielen Kreativen und Intellektuellen zusammengearbeitet, die ihr individuelles Gespür für Farben oder ihre Perspektiven zu diesem Thema eingebracht haben. Hier werfen wir nun einen Blick auf die Ideen, Entwürfe und Designer: innen, die zur Entwicklung von Arpers einzigartigem Farbkonzept beigetragen haben.

Farbe im Kontext

Farbe ist keine statische, unveränderliche Qualität. Sie steht nicht für sich allein. Vielmehr ist Farbe ein Spiegel unserer Wahrnehmung – kulturell, historisch und materiell.

Farben sind ein Spiegel sich ständig verändernder kultureller Trends. Im Zeitalter der Moderne zum Beispiel waren Farben nahezu verpönt. Man glaubte, dass weiße Kuben, schwarze Kleidung und „neutrale“ Paletten Kultiviertheit vermittelten. Im Gegensatz dazu wurden intensive Farben historisch (und vielleicht ist das auch heute noch so) als rein dekorativ oder gar unseriös wahrgenommen. Doch Geschmäcker ändern sich: Dieselbe Farbe, die zu einem bestimmten Zeitpunkt als frisch und aufregend gilt, kann wenig später schon langweilig wirken. Oder eine Farbe, die in einem bestimmten Kontext Ruhe vermittelt, kann in einem anderen Zusammenhang als deprimierend empfunden werden. Die Farbe selbst ändert sich dabei nicht – wir nehmen sie lediglich anders wahr.

Ebenso wie kulturelle und historische Faktoren unser emotionales Empfinden von Farbe beeinflussen, so trägt auch die Persönlichkeit eines Objekts – Material, Form, Größe und Komposition – zu unserer Wahrnehmung von Farbe bei. Gleiches gilt auch für die jeweiligen Bedingungen der Umgebung. Der Glanz von Seide, die Tiefe von Samt, die Brillanz von Emaille oder der matte Puder von Pigmenten – die Farbe bleibt die gleiche, aber die Wirkung verändert sich.

Vor allem gilt: Eine Farbe allein bewirkt nichts. Farben existieren nicht unabhängig von Material, den Farben der Umgebung oder historischen und kulturellen Symbolen. Ähnlich wie bei einem Musikstück entsteht die Atmosphäre aus der Komposition. Farbe offenbart sich ständig neu.

„Als Designer:innen versuchen wir, eine Form für etwas zu finden, das bereits in der Luft liegt, aber noch keinen Ausdruck gefunden hat – ein Wunsch, eine Stimmung, eine vage, kollektive Sehnsucht. Wir erkennen diese Tendenzen und bringen sie mit Hilfe von Farbe, Material, Struktur und Komposition in eine Form. Als Gestalter:innen stehen wir in ständigem Dialog mit unserem sozialen Umfeld: Die Art und Weise, wie wir unsere Werte und Ideen zum Ausdruck bringen, wie wir auf die Welt, in der wir leben, reagieren, formt unsere Umgebung, und wir werden wiederum von unserer Umgebung geformt. So gesehen, sind wir alle Teile eines großen Kollektivs, das gemeinsam denkt und fühlt.“ — Jeannette Altherr

I Farbe als Designkonzept

2000 when Catifa was launched© 2000 when Catifa was launched

Mit dem Entwurf von Catifa im Jahr 2000 wurde die Farbphilosophie von Arper um eine neue Dimension erweitert.  Bei dem vom Design-Studio Lievore Altherr Molina entworfenen und mittlerweile zur Designikone avancierten Stuhl wurde Farbe nicht nur als Finish, sondern als zentrales Gestaltungselement eingesetzt. Das zweifarbige Design wurde mit einer neuen Spritzguss-Technologie hergestellt, die es ermöglicht, Sitzschalen mit zwei farblich unterschiedlichen Seiten herzustellen.

2000 when Catifa was launched© 2000 when Catifa was launched

„Durch die Zweifarbigkeit entsteht eine einheitliche visuelle Identität zwischen Tischen und Stühlen“, erklärt Jeannette Altherr von Lievore Altherr Molina. „Um einen hellen Tisch herum angeordnet, schaffen weiße Stühle eine einheitliche Umgebung, die für Gespräche und Austausch gestaltet ist. Eine äußere farbige Schale oder Kante unterstützt und schützt symbolisch die Zusammenarbeit und die interne Kommunikation, sie schafft einen Raum zum Wohlfühlen und Austauschen.“

photo: Gerhardt Kellermann | Catifa Illustration: Katrin Coetzerphoto: Gerhardt Kellermann | Catifa Illustration: Katrin Coetzer

Die in der ersten Catifa-Kollektion verwendeten Farben sollten als aktive Elemente der Raumgestaltung verstanden werden. Die Designer:innen spielten auch mit unterschiedlichen Texturen: Eine glänzende äußere Oberfläche wurde mit einer leicht strukturierten, matten Innenseite kombiniert. Durch die unterschiedlichen Oberflächen entstehen feine Nuancierungen, so dass selbst bei einer komplett weißen Sitzschale der Bezug zu anderen Elementen der Kollektion erhalten bleibt.

Swiss Museum of Transport, © Marco CoviSwiss Museum of Transport, © Marco Covi

„Wenn die zweifarbigen Stühle linear angeordnet werden, erzeugen sie einen doppelten Effekt: Von vorne gesehen vermitteln die Stuhlreihen Ruhe und Klarheit, als säße man auf einem frisch gewaschenen Laken. Von hinten betrachtet bilden die farbigen Rückenlehnen eine lebendige und facettenreiche Oberfläche, die das Auge fesselt und die Fantasie anregt.“ — Jeannette Altherr

2016 Catifa New Edition: From Inspiration to color concept photos © Dominik Tarabanski moodboards | photo © Salva Lopez / Lievore Altherr Molina2016 Catifa New Edition: From Inspiration to color concept photos © Dominik Tarabanski moodboards | photo © Salva Lopez / Lievore Altherr Molina

Mit der Erweiterung der Catifa-Familie zeigte sich, wie sehr Farbe die Persönlichkeit eines Produkts definieren kann. 2016 bewies Arper, dass das Potenzial der Catifa-Familie noch längst nicht ausgeschöpft war. Mit neuen zweifarbigen Versionen wurde das Konzept von Kontrast und Farbgestaltung auf ein neues Niveau gehoben. Designerin Jeannette Altherr wählte für jede Kollektion eine andere Farbpalette und Materialtextur, um die jeweils einzigartigen Eigenschaften hervorzuheben – der Unterschied in Maßstab und Proportion innerhalb der einzelnen Kollektionen wurde in eine jeweils individuelle Geste übersetzt. 

2016 Catifa New Edition: Unity within diversity fotos @ Scheltens Abbenes2016 Catifa New Edition: Unity within diversity fotos @ Scheltens Abbenes

Catifa 46 beeindruckt mit frischen und verspielten Farben, während die warmen Oberflächen und Lederbezüge von Catifa 53 für elegante Optik und optimalen Sitzkomfort sorgen.

© Mikkel Rahr Mortensen, Gitte KjærCatifa 46, Conference Room | © Mikkel Rahr Mortensen, Gitte Kjær

II Farbe und Raum

2016 Paravan Collection Color Studies2016 Paravan Collection Color Studies

Wenn man an den Einsatz von Farbe in der Architektur denkt, stellt man sich vor, von Farbe umhüllt zu sein, so wie die Natur uns umhüllt – das tiefe Blau des Meeres in der Ägäis, die unzähligen Schattierungen von Orange, Rot und Gelb in einem Herbstwald oder die rötlichen Erdtöne von Siena. In diesen Größenordnungen kann Farbe atemberaubend sein und unsere Gefühle bestimmen.

Bei der Gestaltung der modularen Kollektionen von Arper, die dazu dienen Räume zu gestalten oder zu definieren – wie die von Lievore Altherr 2018 entworfenen Paneele Paravan – wird Farbe, anders als bei Möbeln, im architektonischen, immersiven Sinn verstanden.

2016 Paravan Collection Launch2016 Paravan Collection Launch

„Farbe ist Schattierung, Oberfläche und steht in Beziehung zur Form – aber sie ist auch eine Dimension, die mit Licht und Architektur interagiert“, erklärt Jeannette Altherr. „Eine Farbe zu wählen scheint zunächst einfach. Viel schwieriger aber wird es, wenn man sie mit den Möbeln und Elementen kombiniert, die die Architektur ausmachen. Was beispielsweise in kleinem Maßstab bei einem Stuhl funktioniert, kann auf einer Wand schnell zu viel sein.“

Während bei Paravan Farbe als umhüllendes Element dient, kann sie in einem Raum als strukturierender Faktor eingesetzt werden – als Grenze, die die Architektur eines Raumes definiert. Bei den Konfigurationen von Kiik, entworfen von Iwasaki Design Studio, oder dem modularen Sofa Loop, entworfen von Lievore Altherr Molina, wird Farbe nicht flächig eingesetzt, sondern eher als Horizontlinie verstanden – ein Navigationspunkt, der Struktur bietet.

© Marco Covi© Marco Covi

Solche großflächigen Farbapplikationen können unsere Umgebung und damit auch unsere Gefühle stark beeinflussen. Diese für Menschen gestalteten, „soften“ Räume entsprechen unseren Bedürfnissen intuitiv mit Materialien und Formen, die sich gut anfühlen. Mit Umgebungen, die die Sinne ansprechen, die uns zusammenbringen und in denen wir uns wohlfühlen. Bei der Gestaltung solcher Räume spielt Farbe eine entscheidende Rolle.

„Architektur ist eine große Inspirationsquelle. Vor einigen Jahren hatten wir die Gelegenheit, die von Luis Barragán gestalteten Häuser in Mexiko-Stadt zu besuchen. Wir waren beeindruckt von der emotionalen Kraft der Farben der Wände – wirklich ungewöhnliche Töne wie Pink, Gelb, Hellrot, Blau. Erstaunlicherweise wirkten sie nicht künstlich, sondern natürlich, was an der Textur der Wände lag. Bei kleinformatigen, hauptsächlich aus Stoff bestehenden architektonischen Elementen wie Paravan kann das Material das gleiche Gefühl erzeugen: Struktur, Fülle, Wärme.“ — Jeannette Altherr

III Farbe und Emotion

From an Interview on color with Dominik TarabanskiFrom an Interview on color with Dominik Tarabanski

Farbe ist sichtbar gemachte Emotion. Sie verleiht nicht nur einem Objekt Persönlichkeit, sondern sie besitzt auch eine eigene Persönlichkeit. Wenn wir an Rosa oder Blau denken, kommen bestimmte Assoziationen – und sogar Gefühle – auf. Farbe und Empfindung sind so eng miteinander verwoben, dass ein Farbton manchmal sogar für eine Emotion stehen kann. Man denke zum Beispiel an Picassos melancholische „Blaue Periode“ oder an Formulierungen wie „das Leben durch eine rosarote Brille betrachten“. Wir verknüpfen Farbe und Emotion so selbstverständlich über die Sprache, weil Farbe auf ebenso natürliche Weise Gefühle in uns auslöst. 

Arper hat die Verbindung von Farbe und Emotion schon immer als einen zentralen Aspekt im Design verstanden und für jede Kollektion Paletten komponiert, die den Dialog zwischen Farbe, Form und Material unterstreichen. Dabei wird auch berücksichtigt, welche Emotionen durch dieses Zusammenspiel hervorgerufen werden und wie es an unterschiedliche Designkontexte angepasst werden kann. Ausgehend von dem Gedanken, dass Farbe einen zentralen Wert für Arper darstellt, wurde das Konzept zusammen mit Kreativen aus verschiedenen Bereichen erforscht.

Vor kurzem haben wir mit dem Fotografen Dominik Tarabanski gesprochen, der in seiner Arbeit die emotionale Verbindung zu Farbe untersucht. „Letztendlich geht es um die Wirkung, die Farbe auf uns ausübt, was sie mit uns macht“, sagt er. „Wenn wir ein Gemälde, ein Objekt oder einen Stuhl betrachten, welchen Eindruck macht die Farbe auf uns? Hat sie eine Wirkung oder nicht? Lässt sie uns etwas empfinden, gibt sie dem, was wir sehen, eine Form? Ich will Farbe nicht neu entdecken, sondern ich möchte die Menschen dazu einladen, sich intensiver mit Farbe zu befassen.“

From an Interview with Ingrid Fetell on the aesthetics of JoyFrom an Interview with Ingrid Fetell Lee on the aesthetics of Joy

Die Autorin und Designerin Ingrid Fetell Lee verfolgt mit ihrer Arbeit ein ähnliches Ziel: Sie möchte ihr Publikum dazu auffordern, sich mehr mit dem Einfluss, den unsere Umgebung auf uns ausübt, zu beschäftigen. Als ehemalige Designdirektorin bei IDEO nimmt Lee die Frage, wie Ästhetik unsere Emotionen beeinflusst, in den Fokus ihrer Arbeit. „Der emotionale Unterton beeinflusst unser Verhalten“, erklärt sie. „Wenn eine bestimmte Ästhetik uns tatsächlich mehr Freude bringt, werden wir freundlicher, offener, kollaborativer und kreativer. Wie also können wir unsere Umgebung so gestalten, dass sie uns darin unterstützt, das Beste aus uns herauszuholen? “

From an Interview with Ingrid Fetell on the aesthetics of JoyFrom an Interview with Ingrid Fetell Lee on the aesthetics of Joy

Zusammen mit vielen anderen haben Tarabanski und Lee dazu beigetragen, unsere Studien zur Beziehung zwischen Farbe und Emotion zu vertiefen. Auf welche Weise beeinflusst unsere Umgebung unsere Gefühle und welchen Beitrag kann Design in diesem Kontext leisten?

„Ich schaue mir Dinge an, die tendenziell mit Freude assoziiert werden: helle Farben, runde Formen (Hula-Hoop-Reifen, Karussells, Blumen). Wenn man eine Szene oder ein Objekt betrachtet, kann man sich zum Beispiel fragen: Warum löst es in mir dieses Gefühl aus? Welcher positive Prozess wird in unserem Gehirn in Gang gesetzt? Im Allgemeinen funktioniert die mit Freude assoziierte Ästhetik am besten, ob man sich ihrer bewusst ist oder nicht. Manche Menschen behaupten, dass sie eher eckige und kantige Möbel in ihrer Wohnung bevorzugen, und das mag auch stimmen. Aber nur, weil sie diesen Stil schätzen und schön finden, setzt das nicht die Tatsache außer Kraft, dass im Gehirn bestimmte Reaktionen stattfinden, die Nervosität auslösen. Daher empfehle ich, einige Dinge, die dieser tieferliegenden, universellen Ästhetik der Freude entsprechen, hinzuzufügen, denn das fehlt oft in unserer Umgebung. “ — Ingrid Fetell Lee

IV Farbe und Wohlbefinden

Farbe kann nicht nur unsere Stimmung beeinflussen, sondern auch unser Wohlbefinden. Um 2014 herum begannen die Grenzen zwischen Leben und Arbeiten zu verschwimmen. Die digitale Revolution wirkte sich auf alle Bereiche unseres Lebens aus, am stärksten jedoch veränderte sie, wie und wo wir arbeiten. Das Büro ist kein fest definierter Ort mehr, zu dem wir uns begeben müssen, sondern unser Arbeitsplatz definiert sich über die digitalen Werkzeuge, die wir bei uns tragen.

2014 Kinesit Collection Launch2014 Kinesit Collection Launch

Das Büro ist überall dort, wo sich unsere Laptops oder Smartphones befinden – sei es zu Hause, am Flughafen, im Restaurant oder am Strand. Und auch die Büros selbst haben sich verändert. Sie sind bunter und weniger funktionsbetont, dafür intuitiver und empathischer geworden.

Für Arper war der Wandel hin zu mehr Empathie die Geburtsstunde dessen, was wir „Soft-Tech“ nennen: Innovation und Technologie im Dienste von Körper und Geist, nicht Technologie um ihrer selbst willen. Wir erkannten, dass die Qualität unserer Umgebung alles beeinflusst – von Gesundheit und Produktivität bis hin zu Kreativität und Zusammenarbeit – und dass diese Qualität nicht nur durch Material und Architektur, sondern auch durch Farbe definiert wird.

© Constantin Meyer© Constantin Meyer

Dieser „softere“ Ansatz war die Inspiration für die Kinesit Kollektion. Sie wurde speziell für neue Arbeitsräume und -stile entwickelt und zeichnete sich durch kräftige Farben aus, die jedoch überlegt eingesetzt wurden (eine Palette, die später in den Arper Messeständen der Orgatec 2014 und für Milano Work im Jahr 2017 wieder aufgegriffen wurde). Die Palette basiert auf Nuancen von Primärfarben, die, in Kombination mit einer hellen und freundlichen Umgebung, ein positives Gefühl und eine anspruchsvolle Optik erzeugen. Für Räume, die traditionell von Grau- und Schwarztönen dominiert wurden, bot Kinesit eine sinnliche, weiche und frische Farbalternative, die sowohl für physisches als auch für psychisches Wohlbefinden sorgen sollte.

Kinesit in different offices, © Marco Covi |  Gerhardt Kellermann |  Salva LopezKinesit in different offices, © Marco Covi | Gerhardt Kellermann | Salva Lopez

Gleiches gilt auch für die Cila-Kollektion, die im Jahr 2017 entwickelt wurde. Elementar und sinnlich in Gestus und Anmutung, erinnert die geschmeidige Kontur von Cila an Stoffschichten, die einen Körper umhüllen, während die unverwechselbare Kurvensilhouette der Sitzschale an elementare Bilder von Geborgenheit und Schutz denken lässt.

Cila was launched in 2017 @ Salva LopezCila was launched in 2017 | © Salva Lopez

Die Farben der Kunststoffschale von Cila sind von Lehm- und Hautfarben inspiriert – erdig, fließend, warm, organisch. Diese Farben wurden im Jahr 2018 verwendet, um die Idee der Intuition im Standdesign von Arper auf einer Messe zu visualisieren. Ergänzt wurde die Farbpalette durch Materialien, die sich durch haptische Qualitäten auszeichnen: echtes Leder, weiche Wolle, Gusseisen-Finishes und ein mattes Schwarz für den Rahmen und den verwendeten Kunststoff.

Color Inspiration moodboards © Lievore AltherrColor Inspiration moodboards © Lievore Altherr

Bei Cila wurden Farbe und Form in die Idee des Wohlfühlens übertragen – hier ausgedrückt als langsame Geste des Umwickelns mit einem dicken Filzstoff, inspiriert von den Filzskulpturen von Josef Beuys.

Cila and Cila Go in locations ©Iris Humm, Salva Lopez, Altherr Désile ParkCila and Cila Go in locations ©Iris Humm, Salva Lopez, Altherr Désile Park

„Es wird oft behauptet – aus Überzeugung oder weil wir es so gelernt haben – , dass unsere Beziehung zu unserer Umgebung von innen nach außen verläuft. Dass wir uns verwirklichen sollen, unserer Umgebung unseren Stempel aufdrücken sollen. Dagegen wird die umgekehrte Beziehung, die aus meiner Sicht die viel wichtigere ist, überhaupt nicht diskutiert: Unsere Umgebung beeinflusst unser Wohlbefinden durch unsere Sinne. “  — Ingrid Fetell Lee

 

 

V Farbe und Material

Material steht in einer engen Beziehung zu Farbe – und manchmal wird Farbe selbst zum Material. Farbe wird durch die Eigenschaften eines Materials moduliert, durch seine Textur – matt, seidig, glänzend, rau –, durch die natürliche Farbe des Grundmaterials und durch die Veränderungen, die ein Material im Laufe der Zeit erfährt. Diese subtilen Nuancen bieten eine endlose Quelle der Inspiration.

Mit Saya, dem ersten Holzstuhl von Arper, entworfen im Jahr 2012 von Lievore Altherr Molina, und später mit Aava, im Jahr 2013 entworfen von Antti Kotilainen, begann Arper, die dem Material innewohnenden Farbveränderungen zu erforschen. Saya wurde als Alternative zu den langlebigen und unveränderlichen synthetischen Kunststoffen geschaffen. Die Designer:innen wollten die lebendigen Eigenschaften eines natürlichen Materials wie Holz hervorheben, dessen im Laufe der Zeit erworbene Patina ein Ausdruck von Leben und Altern ist.

© Marco Covi© Marco Covi

„Die Inspiration [für Saya] stammt von einer Reise nach Japan, wo ich einen Hersteller von Teedosen besuchte“, erklärt Jeannette Altherr von Lievore Altherr Molina. „Bei den aus Stahl, Kupfer und Messing bestehenden Dosen werden die Bleche nicht versiegelt. Daher entsteht durch die Berührung mit den Händen und den Gebrauch über lange Zeit eine einzigartige Oxidationspatina. Holz hat eine ähnliche, lebendige Qualität. Es spiegelt die Zeit.“

© Marco Covi, Salva Lopez© Marco Covi, Salva Lopez

Bei Saya wählten die Designer:innen eine Palette von Naturholzfurnieren mit offenporiger Oberfläche. Farbe und Materialität wurden miteinander verschmolzen: „Wir wählten Farben in einem Verlauf, wie man ihn natürlich in Holz findet, von einer sehr hellen, gebleichten Nuance über getoastete Varianten bis hin zu einem dunkelbraunen, fast schwarzen, holzkohleartigen Ton“, erklärt Altherr. „Wir haben ebenfalls drei verschiedene Rottöne entwickelt. Wie Holz symbolisiert die Farbe Rot das Leben und in Japan wird Rot oft auf Holz verwendet. Unsere Idee war dass ein einzelner Stuhl durch eine starke Farbe Ausdruck bekommt; mehrere Farben zusammen hingegen k nnen ein rhythmisches Muster erzeugen.“

© Salva Lopez | Illustration:  Pol Montserrat© Salva Lopez | Illustration: Pol Montserrat

Während die Holzobjekte von Arper aufgrund ihrer Materialität mit der Zeit eine natürliche Patina entwickeln, dient die Farbauswahl bei architektonisch inspirierten Kollektionen wie Arcos und Stacy dazu, die Qualitäten des Materials hervorzuheben. Für Arcos kombinierte Lievore Altherr eine sich wiederholende klassische Form mit modernen Oberflächen, die von der intensiven Präsenz des Materials leben: Samt in satten Farbstellungen wie Schwarzer Marmor, Tiefgrün, Tinte, Rost und Ocker.

Designerin Jeannette Altherr sagt dazu: „Wir haben besondere Sorgfalt auf die Auswahl der Farben gelegt. Inspiriert von Corberòs Haus in der Nähe von Barcelona, stellten wir uns die Möbel in einer monochromen Ausführung vor, ähnlich wie ein Schatten. Wir dachten an elegante, dunkle, samtige Farbtöne, sowohl für die Polster als auch für die matten Oberflächen des Metalls. Wir wollten damit die Idee suggerieren, dass das Stück aus einem einzigen Material gefertigt ist. Die reiche Farbpalette bildet einen grafischen und doch suggestiven Kontrast zu weißen Wänden, was sich auch auf unsere Inspirationsquelle bezieht: das Haus der Corberòs und der kraftvolle visuelle Archetyp der Geometrie.“

© Salva Lopez© Salva Lopez

Für den subtil-luxuriösen und modernen Stapelstuhl Stacy wurden Farben gewählt, die von hochwertigen, aus der Architektur bekannten Materialien inspiriert sind: Ziegelstein, Rost, Gusseisen, schwarzer Stahl, Sandstein und Gips. Durch diese Farbwahl wird eine Beziehung zwischen Farbe und Material hergestellt.

„Stapelstühle müssen sehr leicht sein, weil sie oft bewegt werden. Die leichtesten Varianten sind aus Kunststoff gefertigt. Wir haben beobachtet, dass die meisten Stapelstühle in recht dynamischen, lebendigen Farben daherkommen ­– vielleicht weil die großen Gemeinschaftsräume, in denen sie typischerweise verwendet werden, oft aus einfachen, leicht zu pflegenden Materialien, wie Ziegelstein, weißem Putz oder Sperrholz bestehen. Oft sind diese Räume nicht besonders schön gestaltet, und die Farben der Stühle sind eine Möglichkeit, den Räumen mehr Fröhlichkeit zu verleihen. Aber für leichte Kunststoffstühle, die für den Einsatz in hochwertig eingerichteten Räumen gedacht sind, gibt es nur sehr wenige Farboptionen. Also haben wir neue Farben entwickelt, die mehr Präsenz zeigen. “ — Lievore Altherr

© Zinc | Thomas Mellbye / Scheltens & Abbenes© Zinc | Thomas Mellbye / Scheltens & Abbenes

© Marco Covi | Iris Humm© Marco Covi | Iris Humm

VI Farbe und Natur

Während bei den Kollektionen Arcos und Stacy Farbe eingesetzt wird, um das jeweilige Material hervorzuheben, erforschte Arper in einem gemeinsamen Projekt zusammen mit Jennifer Brooke die Materialität von Farbe selbst. Als Designerin interessiert sich Brooke für natürliche Pigmente, die in der Erde vorkommen und sucht nach Farben, die buchstäblich unter ihren Füßen zu finden sind. Sie veredelt diese natürlichen Pigmente, indem sie sie in Aquarellfarben, Kreide und andere künstlerische Materialien verwandelt, um die Materialität von Farbe und deren Beziehung zum Ort besser zu verstehen.

© Marco Covi | Iris Humm© Marco Covi | Iris Humm

„Als ich anfing, mit Pigmenten zu arbeiten und daraus Aquarelle, Buntstifte oder Kreiden herstellte, entdeckte ich, dass sich jedes Pigment anders verhält: Einige sind butterweich und samtig und es ist eine Freude, mit ihnen zu arbeiten. Andere brauchen hingegen mehr Zeit, um sich zu öffnen“, erklärt Brooke. „Farben haben Körper und Persönlichkeit. Ich denke dabei an Arpers provokative Aussage, dass Farbe Persönlichkeit hervorbringt. Farbe ist Persönlichkeit.“

© Jennifer Brooke© Jennifer Brooke

Brookes Arbeit unterstreicht unsere Beziehung zu Farbe und wie sie sich als Material verhält, aber die Designerin hinterfragt auch, wie Gestalter:innen und Produzent: innen dazu motiviert werden können, über die Verwendung von natürlichen Farben nachzudenken, um so mehr Nachhaltigkeit im Design zu fördern. „Wenn von den Farben der Erde die Rede ist, denken die meisten Menschen an Erdtöne. Diese Töne haben eine ganz bestimmte Konnotation, typischerweise denkt man hier an Braunnuancen“, erklärt Brook. „Da ich Erde in meinem Studio verwende, weiß ich, dass Erdtöne eine unglaubliche Facette an Farben aufweisen – von Rosa über Gelb bis hin zu Blau und Grün. Wir stehen buchstäblich auf einer sich drehenden Kugel aus erotischen, explosiven Farben.“

© Jennifer Brooke© Jennifer Brooke

Während Brooke mit ihrer Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes Farben aus der Landschaft ausgräbt, begann Arper sich für einen neuen Aspekt in der Beziehung zwischen Farbe und Natur zu interessieren: für die durch Farbe und Materialität im Design ausgedrückte Verbindung zur Umwelt. Bei Adell, entworfen von Lievore + Altherr Désile Park im Jahr 2020, spiegelt die Farbauswahl die Verbundenheit mit der natürlichen Welt durch die Verschmelzung von Farbe und Material wider.

© Altherr Désile Park© Altherr Désile Park

„Wir hätten uns diese organische Form und diese natürliche Taktilität nicht zusammen mit künstlichen Farben wie optischem Weiß oder hellen, technischen Farben vorstellen können“, erklärt Designerin Jeannette Altherr. „Wir haben eine Reihe von sanften Farbtönen entwickelt, die von natürlichen Materialien wie Holz und Laub inspiriert sind. Selbst Grundfarben wie Weiß und Schwarz werden nicht als rein grafische Töne verwendet, sondern in weicheren Versionen wie Graphitschwarz und Elfenbein.“

© Altherr Désile Park© Altherr Désile Park

Wir lassen uns nicht nur bei der Entwicklung von Farben von der Natur inspirieren, sondern achten auch bei unseren Produktionsmethoden auf den Schutz der Umwelt. Adell ist aus postindustriellem, recyceltem Kunststoff hergestellt. Mithilfe der Materialeigenschaften erinnern die glatten Linien des Stuhls an einen Kieselstein, die Oberfläche weist Ähnlichkeit mit den konzentrischen Ringen eines Baumstamms auf und emuliert die haptischen Qualitäten der natürlichen Welt. Hier stehen die Leichtigkeit und Schönheit der Natur im Vordergrund. Als Hersteller und Individuen, die sich als Teil einer Gemeinschaft verstehen, streben wir auch im Design nach einer weniger konfliktreichen Beziehung zu unserem Planeten.

© Frederik Vercruysse | Salva Lopez© Frederik Vercruysse | Salva Lopez

Auch hier ist Farbe sowohl als Kommentar zu den verwendeten Materialien als auch zu der Zeit, in der wir leben, zu verstehen. Mit Adell und neuen Kollektionen, die im Jahr 2021 erscheinen werden, untersucht Arper die vielen Möglichkeiten, wie Farbe als Designelement eingesetzt werden kann und geht dabei gleichzeitig der Frage nach, wie Design im Sinne von Nachhaltigkeit umgesetzt werden sollte.

© Frederik Vercruysse | Salva Lopez© Frederik Vercruysse | Salva Lopez

VII Farbe und Nachhaltigkeit

Für Arper zählt bei der Herstellung nicht nur das was, sondern auch das wie. Es reicht nicht aus, dass Objekte schön sind – auch eine besondere Rücksicht auf Gesundheit und Umwelt ist absolut essenziell. Nachhaltigkeit hat bei Arper in jedem Aspekt des Designs – von Materialbeschaffung über Produktionsprozesse bis hin zur Verwendung von Farben – Vorrang: Sie ist kein nachgelagerter Gedanke, sondern ein zentrales Anliegen bei der Entwicklung jeder Kollektion.

„Als Unternehmen haben wir eine soziale Verantwortung für Nachhaltigkeit, die wir einfach nicht ignorieren können“, erklärt Claudio Feltrin, Vorstandsvorsitzender von Arper. „Im Jahr 2005 haben wir innerhalb des Unternehmens eine Task Force gegründet, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Als produzierendes Unternehmen haben wir uns auf die Aspekte konzentriert, die den größten Einfluss auf das Ökosystem haben, darunter die Art und Weise, wie wir Materialien auswählen, unsere Produktionsprozesse gestalten und wie wir die letzte Lebensphase eines Produkts handhaben. Mit der Zeit wurden diese Verfahren zu Richtlinien und zu einem integralen Bestandteil all unserer Prozesse – ein Ausdruck unserer Überzeugung, dass Nachhaltigkeit ein Thema ist, das kontinuierliche Bemühungen und Aufmerksamkeit erfordert.“

Arpers 360 Grad-Perspektive auf die Produktion und den Lebenszyklus eines Designs beginnt mit der Herkunft der Materialien. Kann die Vision des Designers mit einem Material wie Hanf oder Algen verwirklicht werden, dessen Gewinnung keinen oder nur einen minimalen Einsatz von Pestiziden erfordert, anstatt zum Beispiel Baumwolle zu benutzen, deren Kultivierung mit einem hohen Verbrauch an Wasser und Pestiziden einhergeht? Ist es möglich, das Design mit recyceltem Kunststoff zu gestalten? Diese Fragen spielen auch bei Überlegungen zur Farbgestaltung eine entscheidende Rolle.

Die meisten Verfahren, mit denen die natürliche Farbe eines Materials verändert wird, haben einen tiefgreifenden negativen Einfluss auf die Umwelt. Die Behandlung von Textilien, zum Beispiel durch Bleichen oder Färben, verursacht 20 Prozent der gesamten Süßwasserverschmutzung. Was die Schadstoffbelastung betrifft, stellen natürliche Pflanzenfarbstoffe eine gute Alternative zu chemischen Farbstoffen dar. Sie bieten aber keine ausreichende Farbechtheit, um Anforderungen für den Objektbereich gerecht zu werden.

Was kann Design Thinking zum Problem von Farbe und Nachhaltigkeit beitragen? Welche Rolle können Designer: innen dabei spielen, unsere Vorstellungen von Schönheit zu verändern? Claudio Feltrin ist der Meinung, dass neue Designstrategien hier Lösungen beitragen können: „Design kann innovative Ansätze und neue Definitionen ästhetischer Werte erforschen, um sicherzustellen, dass das, was „gut“ für die Umwelt und die Menschen ist, auch als „schön“ und „erstrebenswert“ angesehen wird.“

© Salva Lopez© Salva Lopez

Arper bietet nicht nur individuell anpassbare Bezüge aus nachhaltig produzierten Stoffen in unzähligen Farben an, sondern hat auch damit begonnen, das Thema Farbe auf neue Weise zu betrachten. Bei der Gestaltung der im Jahr 2021 vorgestellten Kollektion Kata erforschte das Design Studio Altherr Désile Park neue Strategien für nachhaltiges Design.

© Salva Lopez© Salva Lopez

Durch die Entwicklung eines innovativen Bezugs, der im 3D-Strickverfahren hergestellt wird und aus recyceltem Post-Consumer-Polyester besteht, konnte der gesamte Textilabfall um 30 bis 50 Prozent reduziert werden. Auch die Notwendigkeit zusätzlicher chemischer Färbeprozesse konnte reduziert werden, indem Textur und Muster in den 3D-Strick eingearbeitet wurden. So entstanden zwei verschiedene Muster, die durch ein Relief aus grafischen Formen ein Spiel aus Licht und Schatten auf der Oberfläche des Textils entstehen lassen.

© Salva Lopez© Salva Lopez

„Zunächst haben wir untersucht, welche Strategien sich als Alternative zur Kombination verschiedener Farben anbieten, um einem Raum Lebendigkeit zu verleihen", erklärt Designerin Jeannette Altherr von Altherr Désile Park. „Für die neue Kollektion Kata entwickelten wir vier natürliche Grundfarben, die ohne zusätzlichen Farbstoff auskommen: Charcoal und Linen sowie Wheat und Water. Wenn man alternative Möglichkeiten entwickelt, eine Oberfläche interessant zu gestalten, ist man nicht so sehr auf den Einsatz ausdrucksstarker Farben angewiesen. Man kann sie dann sparsam verwenden, beispielsweise lediglich bei einem Kissen.“

© Salva Lopez© Salva Lopez

Eine weitere potentielle Designlösung besteht darin, das Verständnis von Patina und den Einfluss der Zeit auf Farbe neu zu interpretieren, um so das Designvokabular von Farbprozessen erweitern zu können. „Die Patina einer lange getragenen Jeans verleiht der Hose einen besonderen Charme, den eine neue Jeans einfach nicht hat“, erklärt Altherr. „Sammler fühlen sich besonders von der Patina angezogen, die sich auf gebrauchten Möbeln entwickelt hat. Eine sichtbare Narbe, wie sie bei der Kintsugi-Technik entsteht, mit der zerbrochene Keramik repariert wird, oder das Restaurierungsprojekt von David Chipperfield im Neuen Museum in Berlin können zu etwas noch Schönerem oder Einzigartigem führen. Die Frage ist doch: Wie können wir in einer Welt, die am Rande einer Klimakrise steht, unsere ästhetischen Werte ändern, um unsere Bemühungen in Richtung mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen?“

Nachhaltiger Umgang mit Farbe bedeutet nicht, dass wir uns einschränken, was die Vielfalt von Tönen und Schattierungen betrifft, sondern dass wir uns für das gesamte Spektrum an Farben und Möglichkeiten öffnen, die durch neue Designlösungen entstehen. Nur dann können wir die Farbwelten der Zukunft wirklich erfassen.

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